Aus dem Ältestenkreis 2/2019

1. Rückblicke


Beim Erscheinen dieser 2. Ausgabe des Gemeindebriefes liegen die Passions- und Osterzeit, sowie die Kirchenfeste Christi Himmelfahrt und Pfingsten bereits hinter uns.

Auch in diesem Jahr haben die Konfirmanden/- innen ihren Abschlussgottesdienst besonders einfallsreich, mit großem Engagement und einem zum Nachdenken anregenden Rollenspiel gestaltet. Dabei ging es um das Thema „Hoffnung“ und die Kernfrage, wie man trotz der vielen Unwägbarkeiten und Verunsicherungen unserer heutigen Zeit Hoffnung schöpfen kann.
Hierzu wurde eine von den Konfirmanden durchgeführte Umfrage von Bürgern auf dem Bruchsaler Wochenmarkt mit interessanten Ergebnissen vorgestellt, die eigentlich der  immer wieder angenommenen pessimistischen
Grundstimmung widersprachen. Zusätzlich formulierten die Konfirmanden eigene Überlegungen.
Kernstück war aber die Erforschung, welche Hoffnungsgeschichten in der Bibel zu finden sind. Es wurden deren drei vorgestellt: Zum einen die Geschichte von Noah im Alten Testament, der die Großkatastrophe der Sintflut mit Gottes Hilfe überlebt und der voller Hoffnung die Chance, die ihm Gott gibt, nutzt und einen Neuanfang startet.
Zum anderen die Wunder, die Jesus an kranken und verzweifelten Menschen vollbracht hat und ihnen neue Hoffnung geschenkt hat. Und schließlich die wichtigste Hoffnungsgeschichte überhaupt, aus der die Christen alle ihre Hoffnung schöpfen dürfen: Die Auferstehung Jesu Christi.
Fazit des Konfi-Gottesdienstes, das auch in den Fürbitten zum Ausdruck kam: Der christliche Glaube kann die Kraft zur Hoffnung verleihen, die sich im Vertrauen in die Zukunft äußert, ein Vertrauen, das aber auch den Optimismus verleiht, sich den Herausforderungen des Lebens aktiv zu stellen. Die                  Gemeinde hat die Hoffnung gewonnen, dass sich viele der Konfirmandinnen und Konfirmanden des Jahrgangs 2019 auch in Zukunft am Gemeindeleben aktiv beteiligen werden.

Als weiteres besonderes Ereignis unter vielen sei der bereits traditionelle gemeinsame Gottesdienst der Bruchsaler Kirchengemeinde an Christi Himmelfahrt bei strahlendem Sonnenschein auf dem Vorhof der Paul-Gerhardt-Kirche genannt. Anschließend kamen unsere katholischen Mitchristen zum gemeinsamen Picknick hinzu. Ein Erlebnis der Gemeinschaft, das große positive Resonanz fand und sicherlich dazu beigetragen hat, nicht nur das Miteinander unserer evangelischen Gemeinden, sondern auch das ökumenische Miteinander zu fördern.


2. Das Liegenschaftsprojekt

Das sog. Liegenschaftsprojekt der Landeskirche, über das an dieser Stelle bereits mehrfach berichtet wurde, ist jetzt auf Ebene der Bezirkssynode einer Prüfung der bisher vorliegenden Ergebnisse unterzogen worden. Zur Erinnerung: Es geht um die nichtsakrale Infrastruktur der jeweiligen Komplexe Kirche/Gemeindezentrum.
Dabei waren im gesamten Kirchenbezirk 12 000 qm zu bewerten, davon konnten 8000 qm vom Evangelischen Oberkirchenrat (EOK) anerkannt werden. Die restlichen 4000 qm müssen von den Gemeinden entweder weiter abgebaut oder aber mit Eigenmitteln selbst finanziert werden.

Auffallend ist eine deutliche Diskrepanz in der Verteilung der vom EOK nicht anerkannten Flächen. Für Gemeinden in der westlichen Region des Kirchenbezirkes war
das Ergebnis weitgehend ausgeglichen, während die Masse der Überhänge in den Kraichgau- Gemeinden festzustellen ist. Dort handelt es sich fast durchweg um kleine bis mittelgroße Gemeinden mit verhältnismäßig großen Flächen.


Für unsere Gemeinde verbleibt nach den bereits berichteten Korrekturen (Anrechnung von Foyer und Toiletten zur Hälfte auf die Kirche, Anrechnung des Dachbodens über dem Gemeindehaus auf die Wohnung), sowie weiterer Ausgleiche zwischen den Gemeinden des westlichen Kirchenbezirkes noch ein minimaler Überschuss von 14 qm, der nach unserer Bewertung zu bewältigen ist.


3. Familienraum für die Gottesdienstübertragung

Viele von uns haben die Situation schon einmal miterlebt. Sie besuchen mit kleinen Kindern den Gottesdienst. Das Kind wird unruhig, ist laut, will nicht mehr stillsitzen und stört den Gottesdienst. Sie wissen sich nicht anders zu helfen und verlassen mit dem Kind die Kirche und können nicht mehr am Gottesdienst teilnehmen.
Diesem Problem soll jetzt abgeholfen werden, indem die technischen Voraussetzungen geschaffen den Gottesdienst in einen Nebenraum zu in den sich die Eltern bei Bedarf mitKindern zurückziehen können. Dort werdenbereitgestellt, die Kinder können sichbewegen, die Eltern können den Gottesdienst in Bild und Ton weiterverfolgen.
Als relativ bald zu realisierende Lösung soll zunächst der sog. „Fledermausschuppen“ bereitgestellt werden. Der Begriff „Schuppen“ ist irreführend. Es handelt sich um einen neu renovierten Raum, der mit Sofa und Teppichboden sehr wohnlich eingerichtet ist und über die Treppe zur Empore erreichbar ist. Einige noch erforderliche  Sicherheitsmaßnahmen können kurzfristig erfolgen.

Langfristig soll allerdings die sog. „Karibik“, das ist der Raum, der über den Klubraum vom Foyer, aber auch direkt vom Kirchhof aus erreichbar ist, entsprechend hergerichtet werden. Dies erfordert allerdings noch einige Renovierungsbzw.
Umbaumaßnahmen, die einen Zeitbedarf von mehreren Monaten haben.

Wir hoffen, dass durch dieses Projekt gute Rahmenbedingungen geschaffen werden, damit junge Eltern am Gottesdienst teilnehmen können. Sie sind herzlich willkommen!
Der Übergang zum Kindergottesdienst kann nahtlos erfolgen.


4. Kirche fragt….Politiker antworten

Am 9. Mai hatten im Vorfeld der Europa- und Kommunalwahlen das katholische Dekanat Bruchsal zusammen mit den evangelischen Kirchenbezirken Bretten-Bruchsal und Karlsruhe-Land zu einer Podiumsdiskussion in den Gemeindesaal der Lutherkirche eingeladen, an der unter Leitung des  Fernsehjournalisten Martin Besinger Kandidaten der aussichtsreich für den Kreistag kandidierenden Parteien teilnahmen. Ca. 120 Bürgerinnen und Bürger waren der Einladung gefolgt.

Dabei bestand über die grundsätzliche Rolle der Kirchen im politischen Diskurs weitgehende Übereinstimmung. Demnach sollten Kirchen parteipolitisch neutral sein, sich aber dennoch zu politischen Themen äußern und Stellung beziehen. Eines der diskutierten Themen war, wie zu erwarten, der Umweltschutz, vor allem die Probleme, die mit dem Klimawandel verbunden sind. Schnell wurde klar, dass erforderliche Maßnahmen nicht nur die Politik auf internationaler Ebene und auf Bundesebene fordern. Auch die Kreispolitik ist betroffen und aufgefordert nach intelligentenLösungen zu suchen. Hier ist in erster Linie der Nahverkehr energiesparsamer, aber auch so attraktiv zu gestalten, dass Anreize geschaffen werden, den Individualverkehr zu reduzieren.

Der zweite Themenblock stand unter der Überschrift „Vereine und Ehrenamt: Was tun, wenn sich keiner engagiert?“ – Das nachlassende Engagement für die ehrenamtliche Arbeit ist ein gesellschaftliches Phänomen, das Vereine,
gemeinnützige Organisationen und auch die Kirchen belastet. Ein Patentrezept konnte in der Diskussion nicht gefunden werden. Als Problem wurden zunehmende bürokratische Hürden identifiziert, die allerdings auf Ebene der Kommunalpolitik nur bedingt reduziert werden können, da sie oft auf EU oder Bundesgesetzgebung beruhen. U.a. wurde vorgeschlagen, einen kommunalen Geschäftsführer zu etablieren, der z.B. die Vereine bei der Verwaltungsarbeit berät und unterstützt. Daraus ergab sich die Diskussion zum Thema „Sozialetat“, wobei alle Beteiligten sich einig waren, dass hier die Schulsozialarbeit bei steigendem Bedarf priorisiert werden muss.

In der Diskussion zu dem von den Veranstaltern formulierten dritten Thema: „Kirchen heute: Lückenbüßer für den Staat?“ drehten einige Vertreter der Politik quasi den Spieß um, indem sie behaupteten, dass es die Kirchen seien, die
sich zunehmend aus den Kommunen zurückziehen und diese in die entstehenden Lücken springen müssten. Gezielt angesprochen wurden in diesem Zusammenhang die Kindergärten, wobei OB Petzold-Schick Schwierigkeiten wegen der arbeitsrechtlichen Regelungen der Kirchen ansprach. (Anmerkung: Unser Paul-Gerhardt- Kindergarten kann hier nicht gemeint sein. Wir haben alle Erzieher/-innenstellen besetzt, die Kapazitäten werden voll ausgeschöpft. Bei der
Einstellung von Bewerber/-innen sind wir liberal und schauen primär auf die fachliche Qualifikation. Eine
Grundbereitschaft, die Kinder auf den Grundlagen des christlichen Glaubens zu erziehen, wird erwartet, aber es bestehen keine konfessionellen Ausschlüsse). Leider saß auf dem Podium kein Vertreter der Kirchen, der hier hätte kompetent in die Diskussion eingreifen können. Die Fragen aus dem Publikum mussten auf Zetteln vorformuliert
werden, sodass eine lebendigere Diskussion nicht aufkam, wie überhaupt der Berichterstattung in der BNN vom 11. Mai zugestimmt werden muss, dass die Podiumsdiskussion wenig kontrovers war.

Weitere Diskussionspunkte, die sich aus den Publikumsfragen ergaben, waren Schwangerschaftsabbruch, Angebote für ältere Bürger und der Umgang mit Antisemitismus. Die anderen Themen, die die Veranstalter auf dem Einladungsflyer angekündigt hatten („Wie steht es um unsere Familien?“ bzw. das Thema „Religionsfreiheit“) kamen aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nicht mehr zur Sprache.

Grundsätzlich ist es zu begrüßen, dass die Dekanate ein Forum zur politischen Diskussion vor so wichtigen und richtungsweisenden Wahlen geboten haben. Wenn aber das Ganze unter der Überschrift steht „Kirche fragt…Politiker antworten“, sollten dann aber auch kompetente Vertreter der Kirchenleitungen bei der Diskussion vertreten sein. Ein Fernsehjournalist kann, bei aller Professionalität in Moderationstechniken, die Kirchen und ihre Fragen an die Politik inhaltlich nur bedingt vertreten.

Jürgen Dick